Herbstmanöver 2006

Am 2.9.2006 war es mal wieder so weit. Die Artilleristen zogen ins Manöver. Die Generalität hatte alle gehfähigen Kameraden für 15 Uhr zum Linzer Bahnhof geordert. Nach und nach trudelten zu diesem Termin die kampfbereiten Streiter und Trinker der Schweren Artillerie ein. Dies waren: Hubert Rahm, Hermann Hoppen, Norbert Adams, Berthold Keller, Jan Welling, Werner Pörzgen, Markus Siebertz, Commodore Christian Siebertz, Frank Fossemer, Rudolf Schmahl und Uwe Jenichen. Literat Martin lies sich entschuldigen, so dass der Ex-Literat Uwe zur Feder greifen musste, um die Geschehnisse zu dokumentieren. Verstärkt wurde die Manövertruppe von unseren Inaktiven Karl Esch, Theo Laufenberg und Stonie Stein. Besonders erfreut waren die Artilleristen, dass der noch amtierende Linzer Prinz Paul II. der Einladung zum Manöver gefolgt war. Seine Adjutanten entschuldigte er wegen Krankheit oder sonstiger Verpflichtungen. Vermisst wurde nur unser Veteran der Zukunft, Andreas Siebertz.

Erwartungsvoll hatten sich alle Kameraden auf Bahnsteig 1 versammelt und warteten auf den Zug und weitere Order der Generalität. Zur Überraschung aller lautete die nächste Order: „Einrücken in die Bahnhofskneipe“. In der Aussicht auf ein leckeres Bierchen wurde die Verwunderung ob dieser im ersten Augenblick verwirrenden Anweisung unterdrückt und schnellen Schrittes der Aufforderung Folge geleistet. Zur Überraschung saß dort lächelnd und ein kühles Blondes in der Hand (nicht im Arm), der bis dahin vermisste Veteran der Zukunft Andreas Siebertz. Er hatte wohl aufgrund seiner großen Manövererfahrung das Verwirrspiel der Generalität vorausgeahnt und sich sofort auf das Wesentliche eines Manövers konzentriert, nämlich auf die Vernichtung möglicher Stärkungsmittel des Gegners. Diesem Vorhaben schlossen sich natürlich sofort alle Manöverteilnehmer an. Schnell wurde das eine oder andere Bierchen geordert und genau so schnell vernichtet. Plötzlich ertönte die Aufforderung: „Ausrücken! Der Bus wartet“. Bereit für die Eroberung neuer Feindesgebiete rückte die Truppe aus und stellte verwundert fest, dass für das weitere Vorgehen kein auffälliges Gefährt angeheuert worden war, sondern raffinierter Weise der unauffällige Linienbus 370 (Koblenz Hbf) in Anspruch genommen wurde. Der hintere Bereich des Busses wurde in Beschlag genommen und los ging es Richtung Koblenz.

Leubsdorf wurde passiert und in Höhe von Bad Hönningen wurden einige Kameraden unruhig. Es wurden Stimmen laut, man möge doch versuchen in der Schmiedgasse einen Manöveraußenposten zu errichten und dort erst einmal Lage und Bierqualität in Erfahrung bringen. Unsere im Grunde noch recht junge, jedoch konsequente Generalität ließ sich von diesen, den Manöverzielen absolut entgegenstehenden Wünschen nicht von der Marschrichtung abbringen. Der Commodore persönlich platzierte sich an der hinteren Ausgangstür um eventuellen Fahnenflüchtigen entgegen zu treten. Weiter ging die Fahrt. In Hammerstein steuerte der Fahrer einen unfreundlichen, schotterbedeckten Haltepunkt an. Die Türen öffneten sich und das Kommando lautete: „Alle Manöverteilnehmer raus aus dem Bus!“ Als alle beisammen standen, war jedem schnell klar, dass es nur zwei Möglichkeiten der Fortführung des Manövers gab. Wer Hammerstein kennt, weiß, das es ein schmaler Ort ist, der eingeengt wird einerseits vom Rhein und auf der anderen Seite von einer recht schroff ansteigenden basaltinen Berghöhe. Somit ergaben sich für die Fortsetzung unseres Unterfangens zwei Möglichkeiten. Erstens ein gemütlicher Spaziergang entlang dem flachen Ufer des Rheines zu einem leicht erreichbaren, aber eroberungswürdigen Manöverziel oder dem beschwerlichen Erklimmen des bedrohlich sich vor uns auftürmenden Basaltbrockens. Es kam wie es kommen musste. Der Arm des Commodore wies die Richtung, geradewegs zum Berg! Diszipliniert wie der Artilleristenhaufen nun mal ist, setzten wir uns in die vorgegebene Richtung in Bewegung. Es ging ziemlich steil bergan.

Als feindliches und zu eroberndes Gebiet war von der Generalität die Brombeerschenke hoch über Leutesdorf festgelegt worden. Auf halbem Weg (somit auch auf halber Höhe des Berges) teilte sich die Wegstrecke. Beide Wege führten zum Ziel, nur einer war steiler. Um unserer rollenden Kampfmaschine Theo (The Running Hill) nicht die Effektivität zu nehmen, ersann die Manöverführung einen geschickten Schachzug. Er wurde mit Heinz, Karl, Berthold, Andreas und dem Ersatzliteraten auf der flacheren Strecke Richtung Einsatzgebiet geschickt und somit der Feind in die Zange genommen. Nach vielen weiteren beschwerlichen Metern (oder waren es Kilometer) wurde das Manöverziel gesichtet. Fröhlich winkten uns die Kameraden des anderen „Zangeteils“ von der Terrasse der Brombeerschenke zu. Sie hatten wohl ohne große Gegenwehr diesen strategisch wichtigen Teil des Gebäudes in Beschlag genommen. Der Rest der Truppe gesellte sich dazu und es begann die Vernichtung der an diesem Ort bevorzugten Getränke, Brombeerwein und Weizenbier. Prinz Paul berief sich auf alte Traditionen und bestellt zwischendurch eine Runde Enzianschnaps. Die erste Strophe des Artilleristenliedes wurde übers Tal Richtung Rhein geschmettert.

Nach gutem Essen, einer weiteren Runde eines klaren Getränkes, bestellt durch den Spieß und weiteren diversen Bierchen und Brombeerweinchen stellte die Generalität fest, das der Feind zum Einlenken bereit sei. Der Wirt bot sich an, den gesamten Artilleristentroß ins Tal zum Bahnhof zu fahren. Eingedenk dieses Entgegenkommens wurde auf weiteres Singen verzichtet und zu später Stunde der Heimweg angetreten. In Leutesdorf (oder war es Rheinbrohl) wurde der letzte Zug Richtung Linz erwischt. In der Heimat angekommen entschloss sich ein Großteil der Kameraden die Kunde vom erfolgreichen Manöver der Artillerie sogleich in Linz bekannt zu machen. Sie besuchten am Gestade den einzigen dort ansässigen Wirt (Mäte) um Kontakt mit der Linzer Bevölkerung aufzunehmen. Zu noch späterer Stunde, nach weiteren Bierchen „un vill domme Verzäll“ setzte sich der Ersatzliterat ebenfalls von der Resttruppe ab und machte sich auf den Heimweg. Ein gelungenes Manöver hatte nun für ihn und später auch für die anderen ein Ende gefunden.